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Urban Audit – Was, wer, wie?

Städtevergleichende Informationen haben sich zu einer besonders wichtigen Grundlage der europäischen Förderprogramme entwickelt. Nach einer Pilotstudie 1999 und einer mehr als zehnjährigen Erprobungsphase ist der europäische Städtevergleich Urban Audit heute eine ständige Aufgabe im Europäischen Statistischen System (ESS).

Von den ursprünglich neun Pilotstädten 1999 ist die Zahl der beteiligten Städte 2012 von rund 600 auf fast 900 städtische Zentren in ganz Europa gewachsen und erfasst Zentren von Island und Norwegen bis nach Rumänien und in die Türkei. Auch Schweizer Städte beteiligen sich aus eigenem Interesse an diesem Vorhaben. Gebietlich richtet sich die Betrachtung auf städtische Zentren von mehr als 50.000 Einwohnern, die europaweit nach einer auf Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte basierenden Auswahl bestimmt wurden. In Deutschland erfasst sie 125 Städte in ihren Verwaltungsgrenzen, davon alle Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern und alle Städte von 50.000 – 100.000 Einwohnern, die zugleich Oberzentren sind.

Die Informationen richten sich einmal auf die Städte bzw. städtischen Zentren selbst, zum anderen auf eine dem funktionalen Einzugsgebiet angenäherte Larger Urban Zone (LUZ). In Deutschland gehören dazu außer der Kernstadt die an den Kern angrenzenden Kreise, so weit sie mit dem Kern durch Pendlerbeziehungen eng verflochten sind. Nationale Summenwerte machen es möglich, auch die Abweichungen vom Bundesdurchschnitt zu beleuchten. Im Zehnjahresabstand werden darüber hinaus, zumindest bei Großstädten mit mehr als 250.000 Einwohnern, auch Urban Audit-Stadtteile, die sog. Sub-city Districts, betrachtet und für sie ein eingeschränktes Merkmalsspektrum erhoben.

Nach einem zunächst dreijährigen Erhebungsintervall werden seit 2012 die meisten Daten jährlich erhoben. In Deutschland hatte man sich bereits früher im Interesse einer größeren Aktualität und besseren Vergleichbarkeit darauf geeinigt, alle Daten jährlich bereitzustellen.

Das Merkmalsspektrum reicht von der Bevölkerungsstruktur über Wohnen, Gesundheit, Arbeitsmarkt und Wirtschaft, Umwelt und Verkehr bis zu Kultur, Freizeit und Tourismus. Die Daten für die Gesamtstadt und die LUZ werden in Deutschland aus mehr als zehn Quellen zusammengestellt. Sie stammen zum Großteil aus der amtlichen Regionalstatistik und von den Städten selbst, aber auch aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, aus Mikrozensus-basierten Schätzrechnungen, von den Landeskriminalämtern, dem Kraftfahrtbundesamt und verschiedenen anderen nichtstaatlichen Organisationen. Sie alle werden mit den europäischen Definitionen abgestimmt und, wenn erforderlich, an diese angepasst.

Die auf Sekundärstatistik basierenden Daten des Urban Audit beschreiben die Lebensqualität der Städte unabhängig vom Lebensgefühl der Bürger selbst. Daher ist der Perception Survey der EU eine wichtige Ergänzung. Deutsche Städte haben 2006 und 2009 in koordinierten Parallelbefragungen diese städtevergleichenden Umfragedaten um die Ergebnisse für zuletzt 19 weitere Städte verstärkt. Mit der DG Regio ist ein Austausch der Mikrodaten vereinbart, so dass in Deutschland zuletzt die Bürgermeinungen von 26 Städten miteinander verglichen werden konnten. Für 2012 ist eine weitere koordinierte Umfrage geplant.

Durchführende Stelle für das Urban Audit ist in Deutschland eine KOSIS-Gemeinschaft die diese Funktion im Einvernehmen mit den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder von Anfang an wahrnimmt. Gegenüber Eurostat ist sie Nationaler Urban Audit-Koordinator (NUAC). Die KOSIS-Gemeinschaft hat für ihre Betreuende Stelle eine Geschäftsstelle eingerichtet, die die Daten von den verschiedenen Quellen zusammenträgt, sie kontrolliert, an die EU-Standards anpasst und schließlich mit Qualitätskennzeichen und Fußnoten versehen an Eurostat weiterleitet. Die Geschäftsstelle ist Kontaktstelle für die verschiedenen Datenlieferanten und vor allem für die Städte selbst , die aus europäischer wie aus lokaler Sicht als besonders wichtige Datenproduzenten und Datennutzer zu betrachten sind.

Die Städte als selbständige Träger ihrer Entwicklungspolitik zu stärken, ist der EU ein immer dringenderes Anliegen. Die KOSIS-Gemeinschaft kann daher die Fördermittel nun auch gezielt dafür einsetzen, ihr Informationsangebot und die Instrumente zur Recherche, Auswahl und Analyse grundlegend zu verbessern. Das DUVA-System des KOSIS-Verbundes ist dafür das ideale Instrument. Es wird sowohl für die Datenerhebung per Internet wie auch für Auswahl und Analyse der Informationen eingesetzt und wird bald auch um ein modernes Karten-Tool ergänzt.